Die Gründung der HKG
Mario Hess, Dr. rer. pol., erster Leiter der HKG Bern von 1961-1964 und heutiges Mitglied der Prüfungskommission
Die nach dem Kriegsende von 1945 ständig expandierende Wirtschaft in der Schweiz brauchte einen neuen Typus von Vorgesetzten: Generalisten mit gutem Verständnis für volks- und betriebswirtschaftliche Fragen, die die Unternehmensziele und die dafür nötigen Strategien entwickelten und umsetzten, die Arbeit der Mitarbeiter koordinierten und geschickt mit der Aussenwelt kommunizierten.
Für die Schulung solcher Kaderleute wurden vor rund 50 Jahren zwei Modelle von Managementschulen geschaffen: die kaufmännischen Führungsschulen (KFS) und die Höhere Kaufmännische Gesamtschulung (HKG), heute Höhere Fachschulen für Wirtschaft (HFW). Beide bilden Nachwuchskräfte auf der unteren und mittleren Führungsebene von Grossunternehmungen bzw. der öffentlichen Verwaltung sowie für die Leitung von KMUs aus.
Erstes Kaderschulmodell: Kaufmännische Führungsschulen (KFS)
Die erste Kaderschule für Kaufleute mit abgeschlossener Grundausbildung und mehreren Jahren Praxis (Mindestalter 25 Jahre) wurde 1958 an der Handelsschule des KV Zürich, heute Business School KV Zürich, unter der Leitung von Paul Weilenmann, später Professor für BWL an der Universität Zürich, eröffnet. Auf die Prüfung des Lernerfolgs wurde vorerst verzichtet, denn für eine vertiefte Vermittlung von Sachwissen reichten die angesetzten 200 Lektionen nicht aus. Die kaufmännischen Berufsschulen in Aarau, Basel, Liestal, Luzern, St. Gallen sowie das 1964 gegründete Kaderseminar Biel übernahmen dieses Kaderschulmodell.
Zweites Kaderschulmodell: Höhere Kaufmännische Gesamtschulung (HKG), heute Höhere Fachschulen für Wirtschaft (HFW)
Auf Anregung der Berner Studiengruppe für Personalfragen und von Vertretern bedeutender Unternehmungen in der Region Bern wurde im Oktober 1958 eine Arbeitsgruppe beauftragt, einen Studienplan für die Ausbildung von Nachwuchs- und Führungskräften der unteren und mittleren Führungsebene zu erarbeiten. Dieser kam unter der Leitung von Alfred Honegger, Rektor der Kaufmännischen Berufsschule Bern, zustande und sah ein berufsbegleitendes Studium von sechs Semestern im Umfang von ca. 1000 Lektionen vor. Die Schulkommission der Kaufmännischen Berufsschule Bern genehmigte diesen Lehrplan im August 1960. Als erster Leiter der neuen Abteilung übernahm der Autor, damals Handelslehrer und Referent für höhere Fachkurse an der Kaufmännischen Berufsschule Bern, die administrativen Vorarbeiten für den ersten Lehrgang. Für diesen meldeten sich 38 Herren mit kaufmännischer Grundausbildung und mehrjähriger Praxis an, teils auch mit höheren Fachdiplomen (Durchschnittsalter 33 Jahre). Der anspruchsvolle, nebenberufliche Unterricht erwies sich für manche Studierende bald als zu belastend, so dass sich Ende des 6. Semesters nur noch 20 Kursabsolventen der Schlussprüfung unterzogen, deren 19 im Herbst 1964 das schulinterne Diplom Kaufmann HKG entgegen nehmen konnten. Die Mehrzahl dieser Diplomanden übernahm eine leitende Stellung in einem KMU oder einer Grossunternehmung.
Im Unterschied zum Zürcher Kaderschulmodell strebte der Berner Lehrplan mit 13 Fächern eine umfassende Generalistenausbildung mit breitem Sachwissen an. Die Studierenden mussten sich einer Vor- und Schlussprüfung unterziehen, während die Kaufmännische Führungsschule Zürich vorerst auf Tests und Prüfungen verzichtete.